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Bequemlichkeit

veröffentlicht am 8. Juli 2026

  • Planung
  • Alltag
  • Ergonomie
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Ich weiß, das klingt nach Leuten, die ohne App keine Tür mehr zukriegen.

Aber hier ein Beispiel:

Morgens. Stellplatz. Schiefer Untergrund und eigentlich wollte ich nur kurz in den Ort. Zwei Fahrräder hängen hinten am Fahrzeug.

Es gibt zwei Varianten.

Variante eins: Der Fahrradträger hängt starr am Heck:

Heckgarage auf, Leiter raus, Leiter hinstellen, Staubschutz lösen, Zurrgurte auf, 20 Kilo Fahrrad irgendwie runterheben und zwar ohne Kratzer, ohne abrutschen und ohne fluchen. Dann das nächste Fahrrad.

Variante zwei: Der Träger fährt elektrisch runter:

Schalter drücken, Träger senkt sich, Staubschutz weg, Gurte lösen, Fahrrad runterrollen. Auch Arbeit, aber eben eine andere Art von Arbeit.

Welche Fahrräder stehen öfter auf dem Boden?

Ich würde ja auf die „Variante zwei“ tippen.

Bequemlichkeit hat einen schlechten Ruf. Es klingt nach Sofa, Ausrede und „stell dich nicht so an“.

Aber im Alltag gewinnt die Lösung, die man auch dann noch benutzt, wenn man müde ist, es regnet, wenn das Kind quengelt oder wenn der Parkplatz schief ist.

Das hat auch einen Namen, nämlich „Physical effort discounting“. Grob gesagt: Eine Belohnung verliert subjektiv an Wert, wenn vorher körperlicher Aufwand steht.

Und so wirkt es in der Realität: Der Ort ist drei Kilometer entfernt. Die Räder wären praktisch. Aber der Träger nervt. Also bleiben die Fahrräder hinten.

Eine wichtige Funktion darf nicht jedes Mal eine kleine Baustelle eröffnen.

Eine Außendusche, die erst nach fünf Klappen, 10 Handgriffen und einem halb leeren Staufach einsatzbereit ist, wird seltener genutzt.

Ein Stauraum, an den man nur durch Umräumen kommt, wird zum Friedhof für Dinge, die man theoretisch braucht.

Eine Küche, die bei Wind nur mit Gefummel funktioniert, endet irgendwann bei Brot und Käse.

Bequemlichkeit ist im Fernreisemobil gleichzusetzen mit Nutzungswahrscheinlichkeit.

Bei der Planung reden viele lieber über Batteriekapazität, Reifendruckanlagen und Fahrgestelle. Alles wichtige Themen. Aber am Ende entscheidet oft ein kleiner Griff, ein zu schweres Teil, eine ungünstige Höhe, eine fehlende Rampe, ein Deckel zu viel.

Und ja, man kann Bequemlichkeit übertreiben. Dann baut man sich ein Fahrzeug voller Motoren und Sensoren, die später selbst wieder Fehlerquellen werden. Zuverlässigkeit steht vor Bequemlichkeit.

Also ist die Frage nicht: Wie machen wir alles maximal bequem? Die bessere Frage lautet: Was soll wirklich oft benutzt werden? Dort lohnt sich Bequemlichkeit.

Wenn Fahrräder Teil des Reisealltags sein sollen, müssen sie schnell runter. Wenn Werkzeug erreichbar sein soll, darf es nicht hinter fünf Kisten liegen. Wenn draußen gekocht werden soll, muss der Aufbau auch bei genervter Laune funktionieren.

Sonst planen wir nicht Nutzung, sondern Ausreden. Und die kommen ganz sicher.